Demonstration

DEMO-AUFRUF 2024

Im Zuge der jüngsten Enthüllungen über rechtsextremistische Treffen unter Teilnahme von AfD-Funktionären, Mitgliedern der Werteunion, offen faschistischen Organisationen und Großunternehmern gingen Millionen Menschen bundesweit gegen Rechts auf die Straße. Hier wurde vielen klar, was vielen FLINTA (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen) schon längst bewusst ist: Mit dem gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck werden uns unsere erkämpften Rechte und feministischen Errungenschaften streitig gemacht. In der Politik wird über die weitere Einschränkung von Zugängen zu Schwangerschaftsabbrüchen diskutiert. FDP Justiz-Minister Buschmann blockiert leider erfolgreich das „Nur Ja ist Ja“-Gesetz auf EU-Ebene. In bayrischen Schulen und Behörden wird die gendergerechte Sprache verboten. Die Ampel Koalition will mit der GEAS-Reform (Gemeinsames europäisches Asylsystem) wieder „im großen Stil“ abschieben und beraubt Menschen damit der wenigen Sicherheit in ihrem Leben, das sie sich nach ihrer Flucht mühsam zurück erkämpft haben. Der Staat zeigt mal wieder, wie wenig ihm an uns liegt. Für viele von uns bedeutet der immer unverhohlenere Rassismus im Alltag und in den Medien weitere Angst vor Gewalt und Ausschluss.

Der Staat schützt uns FLINTA auch nicht vor der zunehmenden Gewalt, die wir im Privaten und auf der Straße erfahren. In 2023 wurden alleine in Deutschland 114 Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Im Januar und Februar diesen Jahres waren es schon mindestens 19. Die Dunkelziffer der Gewalt ist stets höher. Diejenigen von uns, die offen zeigen wollen, dass sie queer sind, die die engen Schubladen in vielen Köpfen sprengen, bekommen zu spüren, dass ihre Rechte und ihre Existenz immer wieder in Frage gestellt und angefeindet wird. Der Staat verhindert sexistische und queerfeindliche Gewalt nicht. Er stützt die traditionellen Geschlechterverhältnisse, indem er an Privilegien von heterosexuellen Paaren festhält, FLINTA Personen finanziell benachteiligt lässt, queere Personen nicht ausreichend unterstützt und Hilfsangebote nicht ausreichend finanziert.

Der moderne Kapitalismus sieht die Rolle der Frau in der doppelten Ausbeutung sowohl in Lohn- als auch in Sorge- und Hausarbeit vor. Wenn die Arbeit von weiblich gelesenen Personen und von Personen, die von der binären Geschlechtervorstellung abweichen, überhaupt bezahlt wird, bekommen sie nach wie vor weniger als cis Männer. Wir werden so von Männern strukturell abhängig gemacht und es wird sichergestellt, dass wir zusätzlich die unbezahlte Arbeit übernehmen. Wir werden in die schlechter bezahlten, unsicheren und unsichtbaren Tätigkeiten gedrängt, die sonst keiner machen will. Wir pflegen, kümmern und putzen. Wir halten diese Gesellschaft am Laufen. Viele von uns mit letzter Kraft. Und dennoch reicht es am Ende kaum zum Leben und schon gar nicht zur Rente. Die Armut in Deutschland ist migrantisiert, alt- oder sehr jung, alleinerziehend, erkrankt, weiblich und trans*.

Für die eigenen Interessen geht das kapitalistische Patriarchat weltweit über Leichen. Um Rüstungsgüter zu verkaufen, sich den Zugang zu Bodenschätzen oder geopolitisch strategisch wichtigen Regionen zu sichern, werden Bündnisse mit Faschist*innen, Diktatoren und islamistischen Terrorbanden geschlossen. Diese Politik hinterlässt Millionen Tote, nimmt Genozide in Kauf und hinterlässt überall verbrannte Erde. Hauptleidtragende von Terror, Krieg und Unterdrückung sind, wie überall, FLINTA.

FLINTA sind in Bedrängnis – im Privaten, auf der Arbeit, durch Staaten und seine Institutionen. Doch genauso hart, wie wir angegriffen werden, schlagen wir zurück. Die Geschichte der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung und die Revolution von Rojava zeigen, dass Widerstand gegen die bestehenden Verhältnisse Großartiges erreichen kann. Ihr Sieg gegen den IS war auch ein Sieg gegen das traditionelle Patriarchat und führte zu einer geschlechterbefreiten, multiethnischen und demokratischen Gesellschaft in der Region.

Mit dieser Utopie für alle Menschen weltweit stehen wir Schulter an Schulter mit allen Unterdrückten, mit von Krieg und Gewalt Betroffenen dieser Welt. Wir kämpfen gegen strukturellen Rassismus und Sexismus. Wir nehmen einander in die Pflicht, patriarchale Ideologie abzubauen und nehmen uns Platz, wo wir erdrückt werden. Wir wollen das miserable Leben nicht, das uns im Patriarchat zugestanden wird. Wir sind feministisch ohne Alternative. Wir kämpfen kompromisslos für ein freies Leben ohne Gewalt, Kapitalismus und Faschismus. Deshalb rufen wir euch dazu auf, mit uns anlässlich des jährlichen feministischen Kampftags auf die Straße zu kommen! Wir treffen uns am 09.03. um 14.30 Uhr am DGB-Haus um unsere Forderungen durch die Stadt zu tragen.

Unsere Demo will feministische und antisexistische Kämpfe in den Mittelpunkt stellen. Wir bitten euch deshalb, nur Fahnen, Plakate und Transparente mit klarem feministischem Bezug zu zeigen und maximal 2 Flaggen pro Partei und parteinahe Organisation mitzubringen. Wir bitten euch, auf Nationalflaggen zu verzichten.